Autologe Knochentransplantation - Tumororthopaedie

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Autologe Knochentransplantation

Operative Therapie > Knochentransplantation

Muß ein Knochensegement (ohne Gelenk) ersetzt werden, kann körpereigener Knochen (autologer Knochen) transplantiert werden. Typische Entnahmestellen sind dabei das Becken, insbesondere der vordere Beckenkamm, oder das Wadenbein (Fibula). Das Wadenbein ist dabei aufgrund seiner Struktur (langer, kortikaler und damit stabiler Knochen) bestens geeignet, auch längerstreckige Defekte zu rekonstruieren.
Generell ist das Wadenbein ein entbehrlicher Knochen. Lediglich das untere Ende muß erhalten werden, da es mit dem Außenknöchel die Sprunggelenksgabel bildet. Das obere Ende ist zwar der Ansatz des wichtigen Außenbandes des Kniegelenks, aber dieses kann auch an das Schienbein fixiert werden. Benötigt man ein kleines Gelenksegement, ist das obere Ende des Wadenbeines ausgezeichnet dafür geeignet. Bei jeglicher Operation am Wadenbein (vor allem am oberen Ende), ist prinzipiell das Risiko einer Verletzung des Nervus peronäus gegeben, was zur Fußhebeschwäche oder Lähmung führen kann. Insgesamt ist der Hebedefekt jedoch nicht wesentlich.
Diskutiert werden muß immer die Frage, ob ein Transplantat vaskularisiert, d.h. mit seinen versorgenden Gefäßen, oder nicht vaskularsiert transplantiert wird. Naturgemäß heilt ein gefäßversorgtes Transplantat besser ein, der Aufwand für die Operation und die möglichen Komplikationen sind jedoch erheblich höher. Die benötigte Transplantatstrecke kann dabei als Kriterium herangezogen werden. Bei nicht vaskularisierten Transplantaten sollte man zur bessern Einheilung das Periost (Knochenhaut) am Transplantat belassen. Eine weitere Option ist die Kombinationen von autologen und allogenen Transplantaten (Manteltransplantate). Diese ist in einigen Fällen ausgesprochen sinnvoll.

Auch die sogenannte Kallusdistraktion, bei der ein Segment des Knochens über eine innere oder äußere Schienung "durch die Defektstrecke" gezogen wird und dabei Knochen neubildet, ist eine solche aufwendige biologische Rekonstruktion. Nachteil ist auch hier die benötigte Zeit für ein solides Endergebnis und ggf. Folgeeingriffe. In einigen Fällen, z.B. bei notwendigen Chemotherapien direkt nach der Tumorentfernung, empfiehlt es sich vor Anwendung eines solchen distraktiven Verfahrens für die Zeit der Chemotherapie nur einen Spacer einzusetzen um diese nicht zu gefährden.

Biologische Rekonstruktionen benötigen deutlich mehr Einheilungszeit und oft auch Folgeeingriffe aufgrund nicht festgewordener Knochenverbindungen (Pseudarthrosen), sind dann jedoch dauerhaft stabile Rekonstruktionen ohne Gefahr von Lockerungen oder Langzeitkomplikationen. Bei Patienten mit guter Prognose und langer Überlebenszeit sind sie entsprechend zu rechtfertigen. Gerade auch bei Kindern, die eine bessere Knocheneinheilung zeigen, sind Knochentransplantationen wichtige Bausteine der Tumortherapie. Hier ist man am ehesten bereit, in den ersten Jahren Einschränkungen (keine oder geringe Gewichtsbelastung, ggf. Revisionseingriffe) zu ertragen um mittel- und langfristig solide und dauerhafte Ergebnisse zu erhalten.


 
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