Übersicht - Tumororthopaedie

Suchen
Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Übersicht

Operative Therapie > Tumorendoprothetik

Generell können heute mehr als 90% aller Patienten mit Knochen- und Weichteilsarkomen extremitätenerhaltend operiert werden. Ein wesentlicher Grund ist die Entwicklung moderner Tumorprthesensysteme. Tumorprothesen erlauben die rasche Wiederherstellung der Gelenkfunktion und sichern damit die Lebensqualität. Nachteil ist bei den primären Knochentumoren, aufgrund des meist kurativen Ansatzes, eine hohe Anforderung an die Dauerfestigkeit und Beständigkeit des Prothesenmaterials. Bei einer modularen Tumorprothese wird der gelenktragende Teil von dem Teil der Prothese unterschieden, mit dem der Defekt überbrückt wird und jenem Anteil, der Schaft, mit dem die Verankerung im Knochen erfolgt. Jeder Teil kann für sich bei Versagen oder Verschleiß gewechselt werden. Die Modularität von Tumorprothesensystemen nach dem Baukastenprinzip hat wesentlich zur Vereinfachung und Standardisierung der Prothesen und des operativen Vorgehens beigetragen.

Tumorprothesen können wie normale Prothesen zementiert oder zementfrei in den Knochen eingepaßt werden. Die Anatomie, das Alter des Patienten und die Prognose sind dabei wesentliche Entscheidungsfaktoren. Muskel- und Sehnenasätze lassen sich entweder durch Fixation in den umliegenden Weichteilen oder z.B. druch das Überziehen eines Kunststoffschlauches („Anbindungsschlauches“) an die Prothese fixieren. Zu den Komplikationen zählen generell
die Infektion, das Materialversagen und Implantatlockerungen.

Historischer Überblick über die Zunahme der Tumorprothesen-implantationen am Beispiel des proximalen Femurs nach Einführung des Knochenzementes in einem Zentrum in Großbritannien.

(Dobbs et al. JBJS [Br] 1981)

Modernes modulares Tumorprothesensystem (MUTARS® ). Die großen Gelenke (Hüfte, Knie, Schulter, Ellenbogen) lassen sich damit standardisiert und ohne Notwendigkeit der individuellen Anfertigung, die immer Zeit erfordert, ersetzen.

(Mit freundlicher Genehmigung, Fa. Implantcast, Buxtehude)


 

TV-München Reportage mit Vorstellung eines Patienten mit tumorendoprothetishen Ersatz des distalen (unteren) Femurs (Oberschenkelknochens) und damit einer Tumorprothese des Kniegelenkes. Wir bedanken uns noch einmal ganz herzlichen bei unserem Patienten!

Die problematischste Komplikation ist der Infekt, da mit den Tumor Weichgewebe entfernt werden muß und die großen metallischen Implantate damit vermehrt anfällig für Keimanhaftungen werden. Plastische Maßnahmen (z.B. die Gastrocnemiusplastik am Kniegelenk) haben hier wesentliche Verbesserungen gebracht. Auch die in den letzten Jahren zunehmend erfolgende Silberbeschichtung der Prothesen wirkt einer Keimanhaftung entgegen. Langfristig ist die Lockerung einer Prothese immer zu befürchten. Wechseloperationen sind in der Regel aber gut möglich. Da viele Prothesen aber bei sehr jungen Patienten eingebaut werden, deren Tumorerkrankung zunehmend geheilt wurde, sind im Laufe des Lebens unter Umständen mehrfache Wechsel notwendig. Die große Problematik der Tumorprothesen wird sich erst im späteren Leben zeigen. Generell sind biologische Verfahren bei einer Möglichkeit des Gelenkerhaltes deshalb vorzuziehen. Sie erfordern zwar anfänglich lange Entlastungszeiten oder Revisionsoperationen, sind dann jedoch langfristig stabil. Tumorprothesen sind anfänglich rasch belastbar und zeigen oft eine exzellente Funktion, sind langfristig jedoch problematsich. Ein spezielles Problem ist die Implantation von Tumorprothesenen bei Kindern. Grundsätzlich ist hier die Verwendung von Prothesen möglich, die über spezielle Verlängerungssysteme „mitwachsen“ können (Siehe gesonderter Menüpunkt). Die Tumorprothetik stellt ungleich höhere Anforderungen an der Operateur als die konventionelle Endoprothetik, da sowohl der Tumor entfernt, die eher komplexe Prothese implantiert und zusätzlich eine ausreichende Weichteildeckung geschaffen werden muß.



 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü